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Dummes Mami, blöde Kuh, von Helena Weingartner-Brunner

Viel Spass beim Lesen!

 

Dummes Mami, blöde Kuh

 

 

Das fährt ein! Warum nur sagt die Tochter, der Sohn so was Schreckliches? Erst noch war doch die Welt völlig in Ordnung? Es gibt Eltern, wohl eher eine Rarität, die haben mit solchen Ausdrücken kein Problem. Vielleicht sind sie so abgebrüht, widerstandsfähig oder sie wissen, dass dies vorübergeht? Andere Eltern spüren wie die Wut hochkommt, aus dem Bauch in den Kopf und dort die Schamröte auslöst. Ohnmacht sich breit macht oder auch Frustration? Enttäuschung? Wut? Verzweifelt spürend, wie alle Lorbeeren für eine gute Erziehung wegschwimmen? Einfach den Fluss runter gespült werden! Wiederum andere Eltern erkennen zwar bei sich auch so eine Art Enttäuschung, aber sie sehen vor allem ein Kind vor sich, das selber ein noch grösseres Problem hat. Es ist wütend, fühlt sich überfordert, ist irritiert, verletzt. Es kann nicht anders als zu schimpfen, zu fluchen um damit Aufmerksamkeit zu bekommen. Es hat (noch) nicht gelernt, seine Gefühle zu formulieren, Wörter zu finden für seinen Zustand und diese angemessen zu kommunizieren. Zu welcher Elterngruppe gehören Sie? Keine Angst, es gibt nichts Falsches, einfach das, was Sie fühlen ist richtig. Und wichtig. Im Gordon Training wird mit dem Problembesitz gearbeitet. Das heisst, je nachdem zu welcher Elterngruppe Sie gehören, werden Sie anders reagieren. Zum Beispiel die blöde Kuh ignorieren, wenn sie sich im Kein-Problem Bereich befinden. Evtl. versuchen Sie, eine Kuh nachzuahmen? Oder Sie suchen Kuhbilder und fragen das Kind, welches am besten passt? Und ob die Mama wirklich so aussieht? Vielleicht überlegen Sie zusammen, welche geeigneteren Wörter das Kind gebrauchen kann, wenn es wütend oder enttäuscht ist? Falls Sie sich angegriffen und verletzt fühlen und Sie den Problembesitz vor allem bei sich selber sehen, könnten Sie das Kind konfrontieren. Ihm ehrlich und authentisch übermitteln, dass Sie es leid sind, diese Schimpfwörter zu hören. Dass Sie sich verletzt und abgewertet fühlen. Es macht Sinn, diese Konfrontation auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Denn wenn sich das Kind selber auch in einem emotionalen Ausnahmezustand befindet, wird es eher nicht zuhören können. Falls Sie sich entscheiden, sich erst mal um das Kind zu kümmern, da es wohl ein noch grösseres Problem hat, dann hören Sie ihm aktiv zu. Sie benennen sein Problem mit ihren eigenen Worten: „Du bist nicht einverstanden mit deiner Mama?“ Oder: „Gell, eine Mama zu haben die immer ja sagt wäre manchmal schon einfacher.“ So geben Sie dem Kind die Möglichkeit über sein Problem zu reden, ohne dass es dabei bewertet oder kritisiert wird. Die Entscheidung, bewusst oder unbewusst, in welchem Problemfeld Sie sich befinden, hängt meistens von der persönlichen Tagesform ab. Eine der wichtigsten Aufgaben vom Eltern-Sein überhaupt ist die, dafür zu sorgen, dass die eigenen Bedürfnisse erfüllt sind und die persönliche Befriedigung im Alltag nicht zu sehr von den Kindern abhängig gemacht wird.

 

Dieser Artikel wurde geschrieben von Helena Weingartner, zertifizierte Gordon-Trainerin mit über 20-jähriger Erfahrung als Kursleiterin für das Gordon-Familientraining. Als psychosoziale Beraterin HF führt Sie seit 15 Jahren eine eigene Praxis für Familien, Paare und Einzelpersonen. Sie ist Mutter von drei erwachsenen Söhnen und begleitet viele Elterngruppen als Coach in Erziehungsfragen. Für Firmen und Sozialen Institutionen ist sie unterwegs für Kommunikationstrainings und Supervision.